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GRÜNEBAUM PREIS 2010

 

 

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dpa, u.A. bei Welt online, Hamburger Abendblatt, morgenpost.de, Grünebaum-Preis für Schauspieler und Forscher

Cottbus (dpa/bb) - Am Sonntag ist in Cottbus der Max-Grünebaum- Preis für hervorragende Leistungen in der Theaterkunst und Wissenschaft verliehen worden. Die mit jeweils 5000 Euro dotierte Auszeichnung erhielten bei einem Festakt die beiden Schauspieler am Staatstheater Cottbus, Johanna Emil Fülle und Amadeus Gollner, sowie die Nachwuchsforscher der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU), Maurice Bäsler, Michael Fischer und Ralf Ossenbrink. Der Preis erinnert an den früheren Cottbuser Tuchfabrikanten und Kommerzienrat Max Grünebaum, dessen Familie von den Nationalsozialisten vertrieben und enteignet wurde.

 

   

 

 

Lausitzer Runschau, 25.10.2010

Max-Grünebaum-Preise 2010 verliehen

Sie ist schon etwas Besonderes für Cottbus, diese Verleihung des Max-Grünebaum-Preises. Nicht nur das prächtige Ambiente des Staatstheaters zauberte unvergessliche Momente für Preisträger und Publikum, sondern vor allem der Geist Max Grünebaums, der so viele Brücken ermöglicht: zwischen London und Cottbus, zwischen Kultur und Wissenschaft, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

25.10.2010

 

 

Deshalb sei es nicht so altmodisch, wie es vielleicht klinge, am Sonntagvormittag zu einer Stiftung zu gehen, meinte augenzwinkernd Prof. Claus Lambrecht, Vorstandsvorsitzender der Grünebaum-Stiftung. Er begrüßte vor allem die jungen Leute, die reichlicher erschienen waren als sonst - die Gala war diesmal vom ersten Oktoberwochenende, an dem noch Semesterferien sind, drei Wochen nach hinten verschoben worden.

Auch sonst stand die Preisverleihung den glamourösen Varianten im Fernsehen in fast nichts nach. Auch in Cottbus gab es launige Laudationes mit Späßchen und Preisträger, die wahlweise strahlten oder mit zitternden Händen ihre Zettel mit Reden auseinanderfalteten und mit bewegter Stimme ihren Familien dankten.

Einzigartig ist aber wohl die Stifterfamilie, von der in Person von Grünebaums Urenkel Aubrey Newman wieder ein Vertreter aus England nach Cottbus gekommen war, die Preise übergab und sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Max Grünebaum, selbstloser Cottbuser Tuchfabrikant und Stadtverordneter, war vor fast genau 102 Jahren Ehrenbürger geworden. Seine Familie war wegen ihrer jüdischen Abstammung zu Nazizeiten aber nach England vertrieben worden. Dass seine Nachkommen den Cottbusern seit Jahren die Hand zur Versöhnung reichen, zeige die große Kraft von Mitmenschlichkeit, sagte der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD).

Geehrt wurden als erstes zwei Schauspieler des Staatstheaters, die beide seit zwei Jahren in Cottbus sind: Amadeus Gollner und Johanna Emil Fülle. Intendant Martin Schüler würdigte Gollner als einen neugierigen, sensiblen Schauspieler, der weder seine Kollegen noch die Regisseure schone und durch eine große Wandlungsfähigkeit besteche. Schauspieldirektor Mario Holetzeck bezeichnete Johanna Emil Fülle als wissbegierige Schauspielerin, die durch ihre akribische Vorbereitung auf Rollen auffalle. Mario Holetzeck durfte daraufhin einen weiteren Kollegen würdigen: Schauspielkapellmeister Hans Petith (43) wurde mit dem Karl-Newman-Förderpreis ausgezeichnet. Er sei ein Meister des Findens von Musik zu den einzelnen Stücken - inzwischen selten an deutschen Theatern, so Holetzeck.

Dann gehörte die Bühne der Wissenschaft und dem Präsidenten der Cottbuser Universität, Prof. Walther Ch. Zimmerli, der es auf seine gewohnt-feinsinnige Weise verstand, das Publikum auch beim Ankündigen der Forschungsthemen nicht zu ermüden. Zimmerli ehrte als erstes den in Lübben geborenen Dr.-Ing. Maurice Bäsler (35) als »Säule der Universität«. Bäsler hatte erforscht, inwieweit sich Qualitätsmanagement auch wirklich lohnt. Der nächste Preisträger, Dr.-Ing. Michael Fischer (40) hatte sich mit Steineisendecken im Deutschen Reich beschäftigt - und diese auf bisher einmalige Weise untersucht, nämlich geistes- und ingenieurwissenschaftliche Methoden verknüpft. Fischer, zwar in Lichtenstein (Erzgebirge) geboren, aber als Kleinkind nach Cottbus gekommen, berichtete über seine erst nach 25 Jahren einsetzende Liebe zu der Lausitzer Stadt. So viel Zeit in Cottbus sei den Stiftern leider nicht geblieben, meinte er, der ein Ingenieurbüro in Berlin leitet. Einen weiteren Grünebaum-Preis bekam Dr.-Ing. Ralf Ossenbrink (41), geboren in Oelde (Münsterland), für seine Forschungen zum Schweißen: Er entwickelte ein Modell, mit dem Veränderungen eines Bauteils beim Schweißen erfasst werden können. Fabienne Masson (28) aus der Schweiz, Studentin der World Heritage Studies (Weltkulturerbe) erhielt den Ernst-Frank-Förderpreis inklusive eines Studienaufenthaltes in Großbritannien.

Ein Vergnügen für die Ohren bereitete zwischendurch das Philharmonische Orchester: mit den sechs Sätzen von Jaques Iberts »Divertissement«. Die lausbübische Freude des dirigierenden Evan Christ kann wohl sinnbildlich für die ganze Preisverleihung stehen.
Von Steffi Schubert

 

 

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©2010 by Johanna Emil Fülle