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Lausitzer Rundschau vom 26.02.2010

 

Eintauchen in ein neues Leben

Sie gehört zu den jungen Schauspielern, die vor eineinhalb Jahren mit Schauspieldirektor Mario Holetzeck ans Cottbuser Staatstheater kamen. Am morgigen Samstag hat Johanna Emil Fülle (28) mit ihrer achten Rolle Premiere: als Camille in „ManSpieltNichtMitDerLiebe # Musset”, dem vierten Schauspiel der Reihe „Die jungen Wilden. Klassiker auf den Kopf gehauen!“.

26.02.2010

 

Johanna Emil Fülle als Camille in einer Szene von „ManSpieltNichtMitDerLiebe # Musset” am Staatstheater Cottbus. Foto: Marlies Kross
 

Dass Johanna Emil Fülle mit der Schauspielerei ihren Traumberuf erwischt hat, braucht sie nicht mit vielen Worten zu erklären. Ihre Augen blitzen vor Begeisterung, wenn sie von ihren Rollen erzählt. „Das ist so toll, dass man in dem Beruf die Chance hat, ständig so viel Neues zu lernen“, schwärmt sie. „Mit jeder Rolle taucht man ja in ein neues Leben ein. Das ist wirklich eine große Freude, immer jemand anders zu sein.“ Sie mag es, ihre Figuren zu ergründen und an ihnen zu feilen.

Doch an den Traumjob war sie auf eher untypische Weise gekommen. Denn eigentlich wollte Johanna Emil Fülle, im mecklenburgischen Demmin geboren, eher Germanistikdozentin oder Archäologin werden, ihre Schwester dagegen Schauspielerin.

Doch als sie sich ihre Kommilitonen im Germanistik-Anglistik-Musikwissenschaft-Studium ansah, wusste sie: „Das ist nicht das Richtige für mich.“ Sie schwenkte um, bewarb sich kurzerhand an der Leipziger Schauspielschule, wurde aber abgelehnt.

 

Für Anfänger ein Traum

Doch sie versuchte es weiter, spielte in Studentengruppen und Laientheatern, bis es an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hamburg mit der Schauspielausbildung klappte. Und gleich nach dem Abschluss mit dem ersten festen Engagement am Staatstheater in Cottbus – einer Stadt, in der sie zuvor nie war. „Ich war jedoch erstaunt, wie schön es hier ist“, meint sie. Später stellte sie gar fest, dass Bekannte ihrer Großeltern in Forst leben. „Und das Theater ist für Anfänger ein Traum.“ Dadurch, dass mit ihr eine Handvoll weiterer junger Schauspieler neu begann, hatte sie viele Ansprechpartner mit ähnlichen Problemen wie beispielsweise Wohnungssuche.

Das Wichtigste allerdings: Sie konnte sich in vielen Rollen und außergewöhnlichen Inszenierungen ausprobieren. Denn sie lernte neben den Schauspielern noch andere „Kollegen“ kennen: Als Fräulein Schulz in „Lehrer sollen nackt nicht tanzen“ arbeitete sie mit vielen Teenagern zusammen, im Schimmelreiter, wo sie die Tochter des Deichgrafen ist, mit der achtjährigen Lara Brewing (Apokalypse).

Nun also „ManSpieltNichtMitDerLiebe # Musset” in der Regie von Max Claessen (32), ihr zweites Stück aus der Reihe „Die jungen Wilden“ nach „Minna # Lessing“. Und ihr drittes Stück infolge nach „Schimmelreiter“ und „Fräulein Julie“ mit schwierigem Frauenbild. „Die Autoren hatten alle offenbar Probleme mit Frauen“, meint sie augenzwinkernd. Denn auch der französische Romantiker Alfred de Musset hat das Stück „Man spielt nicht mit der Liebe“ geschrieben – 1834, im Alter von 24 Jahren – nachdem Romanautorin George Sand das Liebesverhältnis mit ihm jäh beendete. In dem Stück geht es um Perdican und seine Cousine Camille, die früher eine Sandkastenliebe verband.

 

Scharfer Schlagabtausch

Nun sehen sie sich nach zehn Jahren wieder, rebellieren aber gegen die Vorbestimmung von Camilles Onkel, der sie verheiraten will. „Sie lieben sich, wollen sich dies gegenseitig aber nicht eingestehen, sondern wollen zuerst vom anderen das Liebesgeständnis hören, um sich nicht die Blöße zu geben. Camille will einfach sicher sein, dass Perdican sie um ihrer selbst willen liebt und nicht nur machomäßige Äußerlichkeiten von sich gibt“, berichtet Johanna Emil Fülle. „Doch stattdessen reizen sie sich bis aufs Blut, tun sich weh, um die erhoffte Reaktion beim anderen herauszukitzeln – der ganz normale Psychoterror einer schwierigen Beziehung.“

In Phasen kenne das wohl jeder, aber nicht in dieser geballten Wucht. „Das war am Anfang schon schwierig, als Camille auf der Bühne diesen messerscharfen Schlagabtausch auszuhalten“, erzählt sie. Privat ist sie in einer glücklichen Beziehung mit einem Hamburger Theaterdramaturgen, die zwar eine Fernbeziehung, aber wegen der ähnlichen Berufe von großem Verständnis geprägt sei.

Im Stück gibt es kein direktes Happy-End. Rosette (Ariadne Pabst), die von Perdican (Jan Hasenfuß) benutzt wird, um sich selbst zu bestätigen und Camille zu verletzen, stirbt. Die anderen beiden finden nicht zueinander. Dafür hat Camille zu sich selbst gefunden und eine Entscheidung getroffen.

Johanna Emil Fülle, die ihren für eine Frau ungewöhnlichen zweiten Vornamen von ihrem Großvater geerbt hat, ist derweil entspannt. Das ist sie immer eine Woche vor der Premiere. Dann weiß sie viel über die Figuren, hat sie genügend ergründet. Sie freut sich auf die Inszenierung, in der sie ein blaues Seidenkleid mit vier Meter langer Schleppe tragen wird. Das ist auch so ein Pluspunkt des Berufes, wie sie findet. „Es ist immer Fasching“, schmunzelt sie. „Und man kann nebenbei testen, was einem steht.“

Für interessante Wendungen ist sie immer aufgeschlossen, auf der Bühne wie im Leben. Das liegt offenbar in der Familie. Denn ihre Schwester studiert jetzt Islamwissenschaft.
Von Steffi Schubert

 

 

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©2010 by Johanna Emil Fülle